
Teltape,
das erste volltransistorisierte Tonbandgerät der Welt
Durch eine Arbeit über Protona / minifon fand ich über den bemerkenswerten
Konstrukteur des "Ur-minifons" Willi Draheim, zum "Teltape",
welches er gleichfalls ersann.
Das Teltape war das erste volltransistorisierte Tonbandgerät überhaupt.
Es wartet darüber hinaus mit weiteren technischen Details auf, die es zu etwas
ganz Besonderem machen.
Simplifizierung
oder
die hohe Kunst des Minimalismus
Das Teltape funktionierte in seinen gegebenen Grenzen zuverlässig. Es war, so würde
man es vielleicht heute nennen, ein Innovationsträger:
Zum ersten Mal wurde die Transistortechnik konsequent in einem Tonbandgerät
realisiert.
Wie weit diese „Konsequenz“ der Vereinfachung beim „TELTAPE“ verfolgt
wurde, möchte diese Gerätevorstellung zeigen.
Die 1948 durch die Bell Laboratories (USA) erfundenen Transistoren
waren seit Mitte der 50er Jahre erstmals als industriell gefertigte Transistoren
verfügbar.
Der Vorteil dieser Transistoren war nicht zuerst die wesentliche Verkleinerung
gegenüber den bis 1960 bei den minifon P55 eingesetzten Miniaturröhren wie sie
auch zuverlässig in Hörgeräten verwandt wurden. Der entscheidende Vorteil war
der Wegfall der für den Betrieb der Verstärkerröhren notwendigen Batterien,
insbesondere der Anodenbatterie mit ihrer zum Betrieb der Verstärkerröhren
hohen Spannung. (Bei minifon zuletzt immer noch 30V.)
(Weitere Info hierzu in nächster Zeit unter: www.rolandz.de.vu)
Bild 2

Das Teltape arbeitete mit konventionellem Bandmaterial von 6,3mm Breite auf
Bandspulen mit einem Durchmesser von 8cm. Das Vollspurformat ließ nur Aufnahmen
in einer Bandrichtung zu. Damit war die Aufzeichnungsdauer stark beschränkt. Es
war aber durch Reduzierung der Bandgeschwindigkeit, besonders bei
Sprachaufnahmen, möglich die maximale Aufnahmedauer zu erhöhen. Weitere
Bandspulen konnten im Transport-"Köfferchen" mitgeführt werden.
Bild 3

Bild 4

Sie wurden im Deckel von
Textilgummibändern gehalten. Auf dieselbe Weise konnten dort auch das
mitgelieferte Zubehör wie "Stethohörer“, Mikrofon und Schallwandler
mitgeführt werden. Weiteres Zubehör hatte im Koffer vor dem Teltape Platz.
Die Bedienungselemente des Teltape sind sehr übersichtlich. Sie befinden sich
alle auf der Oberseite des Gerätes.
Das etwas überdimensioniert wirkende rote Lämpchen zwischen den beiden Spulen
leuchtet, wenn das Teltape mit dem Druckschalter unterhalb der linken Spule
eingeschaltet wird.
Bild 5

Die einzelnen
Bedienungselemente sind lediglich durch rote und/oder blaue Farbtupfer
bezeichnet. Blaue Farbtupfer stehen für die „Wiedergabe-Funktion“, rote
Farbtupfer für „Aufnahme-Funktion“.
Der Kippschalter, unten in der Mitte, schaltet also das Teltape in der linken
Position (roter Farbtupfer) auf Aufnahme, in der rechten Position (blauer
Farbtupfer) auf Wiedergabe.
Welche Ansicht ist die schönere? Das damals hochmoderne schön gestaltete rote
Kunststoff-Gehäuse mit seinen nonverbalen, sich selbst erklärenden
Bedienungselementen,
Bild 6

oder der ein Technikerherz
erfreuende Anblick in die Tiefen modernster Elektronik und sauber getrennten und
ausgeführten Funktionsgruppen??(Für mich gesprochen, wünschte ich mir die
Bodenabdeckung aus Acrylglas ;o))
Ein witziges Detail: es gibt am ganzen Teltape nur 5! Schrauben. Schrauben die
nicht benötigt werden, müssen folglich auch nicht montiert werden.
Der so mögliche niedrige Verkaufspreis muss einzigartig gewesen sein!
Bild 7

Sicher ist sicher! Der für
eine Spannungsfestigkeit von 250V! ausgelegte Kipphebelumschalter, industrielles
Standardteil für die Aufnahme-/ Wiedergabe-Umschaltung.
So ist leicht die Absicht zu erkennen, die Herstellungskosten und damit den
Verkaufspreis so niedrig wie eben möglich zu halten.
Ein weiteres Beispiel:
Mit dem Drehknopf unter der rechten Spule kann die Drehzahl des Antriebsmotors
in einem sehr großen Bereich verstellt werden.
Bild 8

Auch dieser großzügig
dimensionierte variable Widerstand der Marke „Prehm“ scheint für die ihm
hier zugedachte Aufgabe reichlich Reserven zu haben.
Eine wirkliche Regelung der Bandgeschwindigkeit gibt es nicht. Sinnvoll ist
diese Steuerung (nicht Regelung!) nur zur Beeinflussung der Aufnahmekapazität
der kleinen 8cm-Spule:
Aus der gemessenen Drehzahl bei "halben Bandwickel" von min. bist max
, , ergibt sich eine Bandgeschwindigkeit von min, bis max. cm 1/s.
Leider ist die Einhaltung der Bandgeschwindigkeit / Gleichlaufkonstanz durch den
pimpfigen Motor sehr lastabhängig. Kurze Tonhöhenschwankungen werden hingegen
durch die beiden massiven metallenen Bandteller, die gleichzeitig als
Schwungmasse fungieren, wirkungsvoll unterdrückt. Diese recht schweren
Spulenauflagen bilden neben den Batterien den größten Anteil des
Gesamtgewichtes des Teltapes.
Der kleine Hebel unter dem "Teltape“-Schriftzug", nennen wir ihn
„Laufwerkshebel“, wirkt in drei Positionen auf den Antriebsmotor, dessen
Welle aus beiden Seiten des Motorgehäuses herausragt.
Bild 9

Der linke Wellenstumpf hat
einen Durchmesser von 2mm, das rechte Wellenende hingegen hat einen Durchmesser
von 6mm. Daraus folgt, dass bei gleicher Motordrehzahl der rechte Wellenstumpf
eine dreifach höhere Umfangsgeschwindigkeit hat als das linke Wellenende.
- Wird der „Laufwerkshebel“ nach links bewegt, kippt der Motor nach links
und seine Welle bekommt Kraftschluss über einen Reibbelag mit dem rechten
Spulenteller. Gleichzeitig rastet der Betätigungshebel in einer Kulisse in
linker Position ein.
Bild 10

Nun treibt der gekippte Motor mit niedriger Umfangsgeschwindigkeit den rechten
Spulenteller an
=> Normalgeschwindigkeit für Aufnahme bzw. Wiedergabe.
- In rechter Position treibt bei ebenfalls (mehr oder weniger) konstanter
Motordrehzahl das rechte Wellenende den rechten Bandteller mit dreifacher
Umfangsgeschwindigkeit an
==>Rückspulen.
Bild 11

Je nach Position des in der
Mitte unterhalb des Kipphebels angeordneten Umschalters, ist das Teltape nun im
Aufnahme- oder Wiedergabebetrieb.
- Befindet sich der Laufwerkshebel in mittleren Position ist die Motorwelle
beidseitig frei und kann deshalb frei drehen
==> Ruheposition.
Bild 12

Die Aufnahme- und
Wiedergabe-Elektronik besteht aus 2! (1958) hochmodernen (Germanium-)
Transistoren als Gegentakt Verstärkungsstufe. Diese Schaltung bildet, je nach
Stellung des „Aufnahme-/ Wiedergabeschalters“, sowohl den Aufnahme- als auch
den Wiedergabeverstärker . Der Verstärkungsfaktor ist gerade ausreichend, um
mit dem Vollspurkopf das Band zu besprechen und es anschließend mit einem
Kristall-Schallwandler abzuhören.
Bild13

Die untere Abdeckung bildet
eine Pappscheibe, befestigt durch die geringste mögliche Anzahl an Schrauben,
welche gleichzeitig drei Standfüßchen halten, - eben minimalistisch.
Bild 14

Das Teltape besaß in der
unteren Abdeckplatte zwei Öffnungen, durch die jeweils 2 Batterien der
"Baby-"Größe in zwei Batteriefächer eingelegt werden konnten: Je 2
Batterien versorgten den Antriebsmotor bzw. den Transistorverstärker. Eine
Abdeckung der Batteriefächer gab es konsequenterweise nicht.
(am Rande: Die Ausbrüche für die Batterien in dem Pappboden sind so genau
dimensioniert, dass sich die Batterien sich auf der einen Seite gut einlegen
lassen, sie sind aber auf der andern Seite so knapp bemessen, dass die Batterien
so gerade am Herausfallen gehindert sind. Betreibt man das Teltape zur
Restauration einmal ohne den Boden, fallen die Batterien prompt heraus!
Was besonders gefällt sind die kleinen Details, die pfiffig gelöst, keine zusätzlichen
Produktionskosten verursachen: Die Durchbrüche im Pappdeckel zu den
Batteriehaltern (Batteriefächer kann man sie nun wirklich nicht nennen) waren
unsymmetrisch. Klar – denkt man, die Batterien wollen „richtig herum“
eingelegt sein. Aber, - warum ist die mit „BASE“ benannte Seite mondförmig
aus der Bodenp(l)appe ausgenommen? Die „TIP“ betitelte Seite ist rechteckig
ausgenommen und zeigt dadurch zweifelsfrei den „Pluspol“ der Batterie. Damit
ist die Lage eindeutig, und die „BASE“-Seite kann eine weitere Funktion erfüllen,
nämlich Raum zu schaffen für einen Finger, der irgendwann einmal die Batterie
wieder heraus nehmen möchte.
Ein weiteres Beispiel? Für den Lage unabhängigen Betrieb ist es notwendig,
dass die Bandspulen auf dem Spulenteller fixiert bleiben: Eine simple dünne
Gummischeibe auf der Achse unter dem Sicherungsring am Ende des Dreizacks gibt
nach, wenn die Spule aufgeschoben wird, und hält diese kleine und damit leichte
Spule in allen Lagen sicher auf ihrem Sitz.
Bild 15

Diese kleinen Dinge machen
den Charme derartiger Geräte aus. Das Teltape war hierdurch und durch sein
geringes Gewicht und Größe trotz, ohne durch seine Einfachheit vollständig
mobil.
Ein weiteres Detail:
Das Teltape enthält durch das "Kipp-Motoren-Prinzip“ nur 3 bewegliche
Teile; wovon bereits 2 die Wickelteller bilden!
Bild 16

Seitlich am Teltape befinden
sich jeweils zwei 4mm Buchsen. Hieran kann an der linken Geräteseite ein
Mikrofon und an der rechten Seite ein Ohrhörer angeschlossen werden.
Kristall- Schallwandler, waren als Ohrhörer kleiner Transistorradios weit
verbreitet. Ein Stethobügel geleitet selbst geringsten Schalldruck in die
unmittelbare Nähe beider Trommelfelle.
Der Anschluss von Mikrofon und Ohrhörerbügel erfolgt durch einfache 4mm
Bananenstecker wie aus dem Experimentierkasten, einfach, aber funktionell.
Bild 17

Die Aufnahme erfolgt in
Vollspur. (Man beachte die "vielfältigen" Justiermöglichkeiten der
Tonkopfmontierung.)
Gelöscht wurde eine Aufnahme durch Einschwenken eines Permanent-Magneten. Wozu
braucht man eine Hochfrequenzlöschung bzw. -vormagnetisierung, wenn man sie
weglassen kann?
„Soll“ und „Haben“
Auch wenn das Teltape gelegentlich als "Kindertonband" bezeichnet
wurde, war es wohl eher ein Spielzeug Technik interessierter Erwachsener.
Eine ernsthafte Anwendung kann ich mir bei allem Wohlwollen nicht vorstellen.
Das Teltape stand wohl eher für ein Produkt, dass aufzeigt, was in den 50er
Jahren mit Witz und Spieltrieb zu realisieren und auch in diesen so genannten
„Wirtschaftswunder-Jahren“ zu vermarkten war. Wo dieser Markt stattfand,
zeigt deutlich die Beschriftung der Bodenplatte.
Einem Spulentonband-Freund kann dieses nur recht sein, denn bei diesem Hobby
sind wir längst über die Anwendungsfrage hinaus!
Mittlerweil hat das rote TELTAPE ein Geschwisterchen bekommen.
Bild 18
Leider ist es etwas aus der Art geschlagen. Wie auf den Bildern zu erkennen ist, fehlt dem grünen Gerät der Schriftzug "TELTAPE".
Bild 19
Dieses mag ein äußeres
Zeichen dafür sein, dass wegen seines geringen Verkaufspreises und seiner
genial einfachen Konstruktion das TELTAPE gerne kopiert wurde. Dieses grüne
TELTAPE gehört eventuell zu den Geräten, die nicht mehr unter seinem ursprünglichen
Namen vertrieben wurden!?
Außerdem glänzt bei ihm die rote Bereitschaftsanzeige durch Abwesenheit. Dafür
ist nun die Lautstärke sowie der Aufnahmepegel variabel.
"Neu" ist auch das Zubehör: Während der Hörer noch an einen
"halbierten" 2k-ohm Kopfhörer erinnert, wirkt das Mikrofon trotz
seiner eleganten Schale eher wie ein Spielzeug.
(Wobei der Begriff "Spielzeug" für einen Tonbandenthusiasten eher
relativ ist.
.)Trotzdem bildet dieses Mikrofon innerhalb der TELTAPE-Welt einen echten
Fortschritt: Bandaufnahmen gelingen damit sehr viel besser.
Gut` schmunzel` ![]()
Roland