SABA 600-SH
der

oder
„second live“ für einen Teileträger
Ein persönlicher Nachtrag zu Beginn
dieser Vorstellung:
Während ich in Text und Bild versuche diese SABA 600-SH zu beschreiben, muss
ich mir immer wieder vor Augen halten, dass es um ein Gerät geht, das 1967 also
vor über 40 Jahren auf den Markt kam. Dank des zeitlosen Designs ist man sich
dessen kaum bewusst!
Sucht man aus dieser Zeit Konkurrenzprodukte, so steht die SABA 600-SH ziemlich
allein auf weiter Flur. Hier gilt, wie Andreas, DER SABA Kenner und Sammler zur
600-SH schrieb:
“. . . sie kam wie von einem fernen Stern . . . „
Die1967 erschiene SABA 600-SH kostete 1998
DM.
Die legendäre A77 von ReVox kam ebenfalls 1967 auf den Markt. Sie kostete 1967
1450 DM!
Mein Exemplar der SABA 600-SH, um das es hier auf diesen Seiten geht, ist
gestempelt mit 09/68.
Bekannt war mir die SABA 600-SH aus einem Radiomuseum in den Baumbergen

Foto 2
und der hervorragenden Vorstellung mit Ansteckungspotential dieser Maschine auf der Homepage von Andreas, einem ausgewiesenen SABA-Kenner.
Einmal von diesem Virus infiziert und einer
Inkubationszeit von zwei Jahren, konnte ich nicht widerstehen, als eine dieser
Maschinen defekt und als Schlachtgerät angeboten wurde. Bedingung war Abholung
der Maschine, was rund 500km für einen Weg bedeutet hätte . . . doch dieses
ist eine andere spannende Geschichte, die über 3 Monate dauerte.
Ein trauriger Anblick.
So erreichte mich die „Königin von SABA“

Foto 3
Schön, aber wenig praxisnah. Die SABA ist für wahlweises Betreiben sowohl in horizontaler als auch vertikaler Aufstellung ausgelegt. Doch leider fehlen ihr für das senkrechte Betreiben geeignete „Untersetzer“ um die Schokoladenseite der Echtholzzarge nicht zu beschädigen.

Foto 4

Foto 5
Im Gerät sah es auch nicht besser aus:
Platinenbruch zum Ersten

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Platinenbruch zum Zweiten:
Es fehlen ganze Leiterbahnen vor allem im Bereich der Lötstellen zu den 11
Relais der Logik-Steuerung. Ein Vorbesitzer hatte damit begonnen diese fehlenden
Leiterbahnen durch ungeeignetes Kabelmaterial zu ersetzen.

Foto 8
Die Steuerplatine
Nicht weniger als 17! Relais übernehmen die komplette Steuerung der Maschine.
Hierzu gehören auch Details, wie das Verweigern der Aufnahme und der
Reversfunktion im Viertel-Spurbetrieb oder nach der Wiedergabe der „Rückseite“
des Bandes nach Durchlaufen eines Reverse-Zykluses!

Foto 9
Die auf die Relais gehefteten Aufkleber dienten dem Nachvollziehen der Steuerung, logisch!?

Foto 10
Totalausfall: Deutlich sind auf dem Drahtpaket der Relaisspule dunkle Flecken zu erkennen. An diesen Stellen hat der Draht seine Lackisolierung verloren. Außerdem riss hier der Draht bei der leichtesten Berührung.

Foto 11
Rainer, stolzer Eigner mehrer 600-SH, half
mit bauartgleichen Relais eines Teileträgers aus. Dieser Teileträger leistete
einst seinen Dienst zur Vaterlandsverteidigung auf einem U-Boot!
Leider sind die zivile und militärische Version zwar ähnlich, in vielem aber
nicht gleich. So musste zum Beispiel das Kammrelais von Siemens des submarinen
Gerätes von 4xUm an die zivile Ausführung mit 3xUm umgebaut werden: Die
Kontakte blieben, die Magnetspulen wurden getauscht.

Foto 12
Alle 4 in der SABA vorkommenden Relais von SIEMENS hatten defekte Magnetspulen!

Foto 13
Die „zünde(l)nde Idee“ zum
Relais-Check. Hier auf dem HF-Modul.
Nächster Fehler:
Semih, ein äußerst kompetenter Fachman für Tonband- und Elektronik-Probleme,
hatte ihn per „Ferndiagnose“ aus Istanbul! in der Tonkopfbrücke
lokalisiert. Der denkbar unwahrscheinlichste Ort!

Foto 14
Eigentlich ist so eine steckbare Tonkopfbrücke eine feine Sache, wenn es dazu nicht auch Steckkontakte geben müßte. Und genau dort lag der Hase im Pfeffer:

Foto 15
Die an die Steckkontaktleiste angelöteten
Tonkopfleitungen ragten so weit in den Kopfträger hinein, dass sie einem
unisolierten Halteblech zu nahe kamen und sich dort innig berührten.
Auf den Bildern sind die braunen Kabel zu sehen, an deren Enden die
Kopfleitungen angelötet sind.
Der Grund für diese „vorgeschobenen“ Lötpunkte ist nicht erkennbar!

Foto 16
Provisorisches Isolieren brachte die Gewissheit.

Foto 17
Kleine Ursache, große Wirkung. So sieht
die geräteseitige Steckleiste mit den Lötstellen jetzt aus.
Die Kopfrelais: „Low tech“ vom Feinsten

Foto 18
Hier liegen nicht nur die Nerven blank. Die Tonkopfkabel haben alle die gleiche Farbe, weshalb sie aus ihrem Kabelschacht genommen sind, um besser erkennen zu können, wer zu wem gehört.

Foto 19
Dieses ist eines von 2 „Kopfrelais“.

Foto 20
Es enthält 4xUm mit jeweils 2 Kontakten,
in der Summe 4x2=16 Kontakte pro Relais ergibt bei 2 Kopfrelais 32! Kontakte.
Welch ein Aufwand, um mit 2 Kombiköpfen! eine Autoreverse Funktion
(Vorband/Hinterband Umschaltung) zu realisieren!
Kombiköpfe bedeuten immer einen Kompromiss: Als Aufnahmekopf wäre ein nur für
die Aufnahme optimierter Kopf mit schmalerem Tonkopfspalt und für den
Wiedergabekopf ein breiterer Kopfspalt gewünscht.
Das bedeutet, die SABA 600-SH ist eine „Autoreverse-Maschine“ ohne
Kopfoptimierung einer 3-Kopfmaschine. Das hätte 4 Tonköpfe bedeutet!
Wenn man sich jetzt vor Augen führt, dass die SABA eine 2-Spurmaschine ist,
wird klar, dass die Autoreverse-Einrichtung nur für monaurale
Aufnahme/Wiedergabe möglich ist!
4-Spur-Stereo–Bänder sind durch Vorhandensein eines separaten
Viertelspur-Wiedergabekopfes wiederzugeben, eine Viertelspuraufname ist indes
nicht möglich!
Gerechterweise muss man sagen, dass im Erscheinungsjahr 1967 sich zwar die
Stereolangspielplatte durchgesetzt hat, Rundfunk aber oft noch mit Mono-Geräten
gehört wurde. Aber wer kaufte sich eine SABA 600-SH fast zum Gegenwert eines
halben VW-(Spar-)Käfers und verzichtete auf ein „Stereosteuergerät“?
Passend zur SABA 600-SH gab es das SABA Freiburg mit dem damalig sensationellen
Sendersuchlauf und Kabelfernbedienung! Interessant: Das SABA Freiburg war mit
1998,- DM genauso teuer wie die 600-SH! (siehe Preisliste)

Preisliste (zum Vergrössern bitte anklicken)
Das „kleine“ Netzteil

Foto 22
Es bekam einen neuen, belastbareren
Gleichrichter, sowie zwei neue Sieb-Elkos mit höherer Spannungsfestigkeit
(25V). Die originalen arbeiteten mit 17V Spannungsfestigkeit in einem Netzteil
mit 17V doch hart an ihrer Belastungsgrenze. Die Sicherungshalter mussten auch
getauscht werden, weil sie durch Korrosion davon zu krümeln drohten.
Zwei Sicherungen lagen sich so nah, dass sie sich berührten, ein Fehler, auf
den man erst einmal kommen muss. Diese Sicherungen sind erst zu sehen, wenn das
gesamte Chassis aus der Zarge genommen ist.

Foto 23
Zu unrecht verdächtigt: Der Geschwindigkeitsumschalter. Wie man sieht nach der Reinigungsprozedur ein glänzendes fehlerfreies Ergebnis.
Foto 24
Das war er, der hoffentlich letzte Defekt
der Preziosa: Auf der Frontseite hatte der Geschwindigkeitsumschalter einen
weiteren Kontakt. Dieser war nach 40 Jahren nicht mehr sehr kontaktfreudig.
Altes Handwerk,
aus „pre CNC-Zeiten“ und kopier-gesteuerter Fräsen.
Allein der untere Teil der Zarge besteht aus 19 Einzelteilen zuzüglich Furnier.
Das hochwertige Nußbaumfurnier ist zum Glück so stark, dass die schlimmsten
Kratzer auszuschleifen waren.

Foto 25

Foto 26
Nach dem Ausschleifen der Kratzer auf der Frontseite gab es, gut abgeklebt, ein neues Finish.

Foto 27
Der Lohn der Mühe (nur Verrückte lackieren im Februar an der frischen Luft und dann ab in den Heizungskeller)

Foto 28
Ein glänzendes Ergebnis

Foto 29
Bitte „oben ohne“
Laut Bedienungsanleitung darf die SABA
wegen der Wärmeentwicklung nicht bei geschlossener Haube betrieben werden.
Allein die Relais und Motoren nehmen ca. 100 Watt elektrische Leistung auf, wie
man in Form des deutlich warmen Frontbleches fühlen kann. Das Bodenblech ist
ganzflächig mit Löchern durchbrochen. Ebenso finden sich rundum in der Zarge
Belüftungslöcher, die eine Zirkulation der Luft möglich machen.
Schade, dieses ist durchaus nachzuvollziehen, doch wohin jedes Mal mit dieser
riesigen Haube?
Ergonomisch sinnvoll (für Rechtshänder) sind die Laufwerkssteuertasten rechts
vorne angeordnet. Es sind reine Tipptasten, die nach Betätigung von innen
beleuchtet sind. Die Laufwerksteuerung ist ausschließlich elektromechanisch
(eine Schwinge zur Drehrichtungserkennung und Relais für die Laufwerkslogik und
Motorensteuerung).
Die „Schwinge“

Foto 30
Ein simples wie geniales Detail:
Eine Metallgabel aus dünnem Blech hat leichten Kontakt zu einer
Polyamidscheibe, die sich mit der Capstanwelle dreht. Sie gibt der
Laufwerkslogik die Information der Drehrichtung.
Diese Steuerung ist so fehlbedienungssicher, dass bedenkenlos z.B. vom schnellen
Vorlauf ohne Pause in schnelles Rückspulen geschaltet werden kann.
„Bandsalat“ ist damit völlig ausgeschlossen.
Die Spulmotoren

Foto 31
„System Papst“ ähneln bis ins Detail
den Motoren der viel jüngeren TG 1000 von Braun. Wie in der TG 1000 ist die
Performance der Spulgeschwindigkeit beeindruckend.
Ebenso beeindruckend ist der imposante Capstan-Motor

Foto 32
Hier zum Vergleich eine CD.
Es ist faszinierend zu beobachten, wie dieser riesige Motor in weniger als 2 Sekunden seine Drehrichtung von Rechts- auf Linkslauf ändern kann. Möglich wird dieses einerseits durch ein möglichst geringes Gewicht (geringe träge Masse), realisiert durch einen außen laufenden Rotor der zum überwiegenden Teil aus Kunststoff besteht. Alles was auf dem Foto silberfarbig erscheint und metallisch wirkt, ist Kunststoff! Andererseits durch ein möglich großes Drehmoment, welches durch einen möglichst großen Durchmesser des Rotors erreicht wird.
Und das ist aus ihr geworden:
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Diese für die SH-600 originale Leerspule
bekam die SABA anlässlich ihrer „Auferstehungsfeier“ am 26.7.2008 von dem
Tonbandfreund Rainer.
Leider fehlen ihr noch die Spulenbefestigungen, die für den senkrechten Betrieb
erforderlich sind.
Foto 38
Der Aufwand vom Kauf bis zur Restaurierung des bereits aufgegebenen Gerätes hat sich gelohnt: Es macht Spaß die SABA zu berühren, sie zu bedienen, eine Taste anzutippen, an einem Knopf zu drehen, eine andere Taste zu drücken. Alles macht einen massiven, grundsoliden Eindruck, als wäre sie aus dem „Vollen“ gefräst.
Links vom Laufwerk gibt es ein weiteres Bedien-Paneel.

Foto 39
Hier befinden sich neben einem echten
4-Kanal Mischpult und zugehörigen Pegel-Vorstellern für alle vier Kanäle Höhen,
und Tiefensteller, die wie bei professionellen Bandmaschinen nur für die
Aufnahme wirksam sind.
Bei der Wiedergabe bleiben sie funktionslos.
In der obersten Reihe sind Drehsteller angeordnet, die zusammen mit einem
optionalen Hallgerät für die Aufnahme den gewünschten Hall-Effekt einstellen
lassen.

Foto 40

Foto 41
40 Jahre hat die alte (oder ewig junge) Dame auf dem Buckel. Doch weder sieht man es ihr wegen des zeitlosen Designs an, noch macht sie technisch einen „hinfälligen“ Eindruck.

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Wahlweise: 2-Spur Stereo Aufnahme-/Wiedergabe, 2-Spur Mono Autorevrese oder 4-Spur Wiedergabe
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Foto 44
Die groß dimensionierte Andruckrolle wird
elegant durch einen massiven „Metalltopf“ verborgen.
Um die Andruckrolle zu reinigen empfiehlt SABA die Reinigung mit einem mit
Spiritus getränkten Filzstreifen durchzuführen, der dem Gerät beilag.
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Foto 46
„Hier geht´s lang“ Im Hintergrund ist
eine der zwei „Gabeln“ zu sehen, durch die das Band durchgeführt werden
muss. Dadurch ist es leider nicht ganz so einfach das Band einzulegen, wie es
bei unten offenen Tonkopfbrücken bei professionellen Bandmaschinen üblich ist.
Ebenso entdeckt man bei genauerem Hinsehen, dass die links und rechts fast
freiliegenden gummierten Bandrollen nicht federnd sind. Dadurch sind sie zur
Aufnahme von kurzen Zugbelastungen des Bandes oder als Schlaufenfänger nicht
ausgelegt.
Foto 47
Auf dem Kopfträger von links nach rechts:
1x2 Spurlösch-, 2x2-Spur Aufnahme/ Wiedergabe-Kombiköpfe, 1x4tel Spur
Wiedergabekopf, 1x2 Spurlöschkopf.
Foto 48
Anschluß gesucht. Die alte Dame ist immer noch recht kontaktfreudig!
Foto 49

Foto 50

Ich freue mich über jede Art von Lob und Kritik: